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Digitale Logik mit einem NAND 4093



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Das CMOS-Logik-IC 4093

Das CMOS-Logik-IC 4093 besteht aus All dies ist in einem 14-poligen Gehäuse aus Plastik untergebracht. Die Anschlüsse sind folgendermaßen angeordnet:

4093-Anschlüsse Bild 4093

Das Bild zeigt die Anschlüsse, wenn man von oben auf die Plastikpackung blickt und die Anschlusspins nach unten zeigen, so wie im kleinen Bild zu sehen ist.

Als "Gatter" oder englisch "Gate" bezeichnet man die vier Innereien deswegen, weil sie wie ein offenes oder geschlossenes Tor wirken: unter bestimmten Bedingungen geht das Tor auf, sonst bleibt es zu.

Ich habe mich beim Zeichnen hier für die amerikanische Variante entschieden, weil sie mir besser gefällt. Natürlich gibt es für das Zeichnen auch eine Norm, aber hier halte ich mich mal nicht dran.

Die Logikeingänge A und B können entweder mit der negativen Betriebsspannung (VSS) oder mit der positiven Betriebsspannung (VSS) verbunden sein. Die beiden Zustände bezeichnet man wahlweise als "0 und 1", "Low und High" (deutsch: Niedrig und Hoch) oder abgekürzt als "L und H". Welche der Bezeichnungen man dafür wählt, ist persönlicher Geschmack, viele benutzen diese Bezeichnungen munter durcheinander.

Im Gegensatz zur Analogelektronik kommt es in der Digitalelektronik nicht auf die "Zwischentöne" an, also welche genaue Spannung nun an den Eingängen anliegt. Der Zustand ist entweder High oder Low, zwischen beiden Zuständen darf es in der Digitalelektronik keinen anderen Zustand geben. Das würde die ganze Funktion durcheinander bringen. Wo genau die Spannungsschwelle zwischen 0 und 1 liegt, messen wir in einem weiteren Experiment, sobald wir uns mit der Logikverknüpfung besser auskennen.

Die vier Logikschaltungen im 4093 verknüpfen die Zustände an den beiden Eingängen A und miteinander. Und zwar so, dass der Ausgang (die gerundete Form des Rechtecks vor dem kleinen Kreis) nur dann auch High wird, wenn beide Eingänge ebenfalls High sind. Ist einer der beiden Low (also auf niedriger Spannung), dann ist auch dieser Ausgang Low.

Der kleine Kreis an der Rundung sagt dem Digitalelektroniker, dass das Ergebnis der Verknüpfung umgekehrt wird, dass also aus einer 0 eine 1 und aus einer 1 eine 0 gemacht wird. Das bezeichnet man wahlweise als "invertieren", Polaritätsumkehr, negieren oder auch als NICHT. Am Ausgang Y liegt also nicht das Ergebnis der UND-Verknüpfung sondern dessen genaues Gegenteil. Nur dieses umgekehrte Ergebnis ist an einen äußeren Pin herausgeführt.

Auch der Ausgang Y kennt nur High und Low und keine Zwischentöne. Wenn wir die Spannung bei eingeschalteter Betriebsspannung am Ausgang messen, messen wir entweder eine Spannung nahe 0 V oder nahe der Betriebsspannung. Wenn wir den Ausgang mit einem Kurzschluss an 0 V oder an die Betriebsspannung anschließen, fließt ein recht kleiner Strom von einigen mA aus oder in den Ausgangspin und die Spannung bricht zusammen. Wir kriegen so ein Logik-IC nur kaputt, wenn wir die Betriebsspannung verkehrt herum anschließen oder die Pins mit Spannungen außerhalb des zulässigen Betriebsspannungsbereichs malträtieren.

Weil die beiden Eingänge so verknüpft werden, dass sie beide 1 sein müssen, bezeichnet man die Schaltung als UND-Gatter (englisch: AND). Weil das Ergebnis auch noch invertiert wird (NICHT, englisch NOT), heißt das Ganze NICHT-UND oder englisch NOT-AND oder ganz kurz NAND. Die komischen Zeichen in den Gattern können wir erst mal ignorieren. Der fast baugleiche Baustein nur mit NAND-Gattern und ohne diese eigenartigen Zeichen heißt (statt 4093) 4011. Es gibt auch UND-Gatter ohne Invertierung, der hieße dann 4081. Statt der UND-Verknüpfung gibt es auch solche mit ODER-Verknüpfung, die heißen dann 4071 (OR) oder 4001 (NOR). Die sind aber alle viel langweiliger, weil man mit ihnen weniger anfangen kann und wir experimentieren daher lieber mit dem 4093.

Es gibt noch viele weitere Familien von Logikbausteinen. Im Gegensatz zu den CMOS-Bausteinen sind diese zwar schneller, sind aber alle nicht mit einer 9V-Batterie betreibbar und brauchen durchweg viel mehr Strom. Deren Vorteile brauchen wir beim Experimentieren nicht und der niedrige Stromverbrauch der CMOS-Reihe kommt uns sehr entgegen.

Im ersten Experiment lernen wir erst mal die Logikeigenschaften des 4093 kennen.

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Die Schaltung

Dazu bauen wir die nachstehend abgebildete Schaltung auf.

NAND-Logik

Sie besteht aus: Bei offenen Schaltern liegen die beiden Eingänge 4A und 4B über die 100k-Widerstände auf der negativen Betriebsspannung oder auf logisch Null. Mit den beiden Schaltern lassen sich die beiden Eingänge auf logisches High-Potenzial bringen.

Der Ausgang 4Y des Logik-IC treibt über einen 1k-Widerstand die LED an. Ist der Ausgang High, fließt Strom durch die LED. Ist der Ausgang Low, dann ist die LED aus.

Die 9V-Batterie versorgt alles mit der Betriebsspannung.

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Die Bauteile

Das Logik-IC 4093

Das Logik-IC kennen wir schon von oben.

Bild 4093

Die Nase auf der linken Schmalseite zeigt die Reihenfolge an. Die Nummerierung der Pins beginnt an dieser Einbuchtung in umgekehrter Uhrzeigerrichtung.

Die IC-Fassung

Wie bei allen Integrierten Schaltungen verwenden wir auch hier eine Fassung. Die ist in diesem Fall 14-polig.

Fassung

Das IC ist so in die Fassung einzusetzen, dass die beiden Einbuchtungen an IC und Fassung auf der gleichen Seite liegen. Zum Einsetzen des IC sind dessen Beine wieder ein klein wenig nach innen zu biegen, indem man die Reihe auf einer ebenen Fläche aufsetzt und alle gleichmäßig und vorsichtig ein wenig nach innen drückt.

Der DIP-Schalter

Diese Art von Schalter sind in der Digitalelektronik sehr beliebt. Sie heißen auch "Mäuseklaviere".

DIP-Schalter

Die vier Schalter in einem Gehäuse sind eingeschaltet, wenn die kleinen Plastikschieber auf der ON-Seite stehen. Ist S1 an, dann ist der Pin 1 mit dem Pin 8 verbunden (Zählung der Pins wie bei einem IC).

Die Widerstände 100k

Die beiden Widerstände mit 100k sehen so aus:

R 100k

Die Ringe lauten braun (1), schwarz (0), schwarz (0), orange (3 Nullen).

Der Widerstand 1k

Der Widerstand mit 1k sieht so aus:

R 1k

Die Ringe lauten braun (1), schwarz (0), schwarz (0), braun (eine Null).

Die LED

Die LED sieht so aus:

LED

Die Anode oder Plusseite der LED ist an dem längeren Abschluss erkennbar.

Bauteilliste

Die für dieses Experiment benötigten Bauteile sind in der Bauteilliste für den Elektronikladen Zimmermann in Darmstadt und für den Versandhandel Reichelt aufgelistet.

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Aufbau der Schaltung

Der Aufbau erfolgt so:

NAND

Am Besten beginnen wir beim Aufbau mit dem IC und dessen zwei Versorgungsleitungen an die Versorgungsschienen.

Dann montieren wir den DIP-Schalter, die beiden 100k-Widerstände und die Leitungen zur Versorgungsschiene. Bleibt der DIP-Schalter nicht fest in den Löchern des Experimentierboards sitzen, dann setzen wir ihn in eine achtpolige IC-Fassung, die wir noch vom Elektronikkurs haben.

Beim Einsetzen der LED müssen wir auf die richtige Polung achten, sonst leuchtet die LED beim falschen logischen Zustand.

Zum Schluss verbinden wir die beiden Minusversorgungsschienen und stecken das Batterieanschlusskabel. Dann setzen wir die Batterie in den Batterieclip.

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Wie es funktioniert

Durch Schieben der Schalter S1 und S2 können wir nun herausfinden, bei welcher Kombination von Schaltstellungen die LED leuchtet oder nicht. Die Kombinationen tragen wir in einer sogenannten Wahrheitstabelle ein. Die kann so aussehen:
Schalter 1 Schalter 2 LED Logisch
An/AusSpannung ALogisch An/AusSpannung BLogisch
Aus0 VoltL Aus0 VoltL AnH
An9 VoltH Aus0 VoltL AnH
Aus0 VoltL An9 VoltH AnH
An9 VoltH An9 VoltH AusL

Die LED ist also nur dann ausgeschaltet, wenn beide Eingänge auf hoher Spannung (L) sind. In allen anderen drei Fällen ist der Ausgang des NAND High.

In der Kurzfassung der Tabelle schreibt man die Wahrheitstabelle des NAND-Gatters so:
Input AInput BOutput Y
LLH
HLH
LHH
HHL

Solche Wahrheitstabellen helfen bei komplizierteren Kombinationen, den Zusammenhang zwischen Ein- und Ausgängen schnell zu ermitteln.

Die Wahrheitstabellen bei weiteren logischen Grundschaltungen lauten so:
LogikTypUS-Norm*IEC-Norm*FunktionA B Y
AND4081 AND US AND IEC Ausgang H, wenn beide Eingänge H LLL
HLL
LHL
HHH
OR4071 OR US OR IEC Ausgang H, wenn einer der beiden oder beide Eingänge H LLL
HLH
LHH
HHH
NOR4001 NOR US NOR IEC Ausgang L, wenn einer der beiden oder beide Eingänge H LLH
HLL
LHL
HHL
EX-OR4070 XOR US XOR IEC Ausgang H, wenn einer der beiden, aber nicht beide Eingänge H LLL
HLH
LHH
HHL
EX-NOR4077 XNOR US XNOR IEC Ausgang L, wenn einer der beiden, aber nicht beide Eingänge H LLH
HLL
LHL
HHH
NOT4069 NOT US NOT IEC Ausgang H, wenn Eingang L LH
HL
* Bilder aus http://de.wikipedia.org/wiki/Logikgatter

Mit diesem Instrumentarium können wir jede beliebige Kombination an logischen Zusammenhängen zusammenbauen. Ein solches Experiment folgt im zweiten Teil.

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©2012 by Gerhard Schmidt